Bezugsscheinverordnung Troppau, 3.4.1916

"Die Zuckernot"

Süßer Luxus

Auch wenn der Krieg bereits ein halbes Jahr zurücklag, stiegen weiterhin die Preise für Lebens- und Genussmittel, gleichzeitig wurden sie stark rationiert. So wie im Krieg, blieb der Zucker ein absolutes, kaum erhältliches Luxusgut.

Die Innsbrucker Nachrichten vom 22. Mai 1919 berichteten:
"Auf die vielen […] Beschwerden über den Zuckermangel und seine Ursachen haben wir uns neuerdings mit den maßgebenden amtlichen Stellen in Verbindung gesetzt, um nach dem Grunde der Verzögerung der Zuckerausgabe zu forschen.
Wir erfahren, daß der für April noch ausständige Zucker aller Voraussicht nach im Laufe der kommenden Woche zur Ausgabe gebracht werden kann. Wenn den bestimmten Zusicherungen nicht in letzter Stunde Hindernisse entgegentreten, ist sogar zu erwarten, daß ebenso auch die Maiquote honoriert werden kann.
Die Ursache an dieser Verzögerung liegt lediglich an unserer ungünstigen Valuta. Ueberseeischer, kubanischer Zucker, kommt wegen des unvergleichlich hohen Agios vorderhand überhaupt nicht in Frage und die Verhandlungen mit dem tschechoslowakischen Staate sind erst in letzter Zeit zu einem Abschlusse gekommen: sie sind aber nur für die nächsten zwei Monate bindend. Aber auch die Forderungen für diese Zuschübe übersteigen die Höhe unseres heutigen Kaufspreises um ein Bedeutendes und es ist leider zu erwarten, daß die Bevölkerung des nicht Zucker produzierenden Deutschösterreichs sich wird zu weiteren und noch größeren Opfern entschließen müssen. Daß außerdem noch Kompensationen, wie Auslieferung von Vieh aus Tirol usw. seitens der Tschechen gefordert werden, sei nur nebenbei bemerkt. […]"





Symbolbild: Bezugsscheinverordnung der Stadt Troppau (3.4.1916) – public domain

 



[22.05.2019 Thomas Sinha]
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