Postkarte Bozen - ca. 1920

"Adressierung der Briefe nach Deutschsüdtirol"

Was geschieht mit den Ortsnamen?

Bereits 1916 hatte die Reale Società Geografica Italiana [Königliche Geographische Gesellschaft Italiens] unter der Federführung des späteren faschistischen Politikers Ettore Tolomei das Prontuario dei nomi locali dell’Alto Adige, ein Verzeichnis der italienisierten Ortsnamen Südtirols, herausgegeben. Diese - großteils frei erfundenen - Ortsnamen wurden anfangs nur von den italienischen Besatzungsbehörden genutzt, bevor sie 1923 gesetzlich eingeführt wurden und bis heute amtlich gültig geblieben sind. Der einheimischen Bevölkerung waren die künstlichen Namen vorerst noch unbekannt.

Die Tageszeitung Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 10. April 1919 schrieb:
"Adressierung der Briefe nach Deutschsüdtirol:
Ein Postbeamter schreibt uns: Vielfach herrscht die Meinung, daß die Korrespondenzen nach Deutschsüdtirol den Bestimmungsort nach Art der Verwelschung tragen müssen, also z. B. prati presso Vipiteno anstatt Wiesen bei Sterzing. Man hilft auf diese Weise noch mit, alles über dem Brenner zu verwelschen. Die Italiener haben Bahnpostbeamte genug, die früher in Innsbruck stationiert waren und denen somit die deutschen Ortsnamen entschieden geläufiger sind, als die neuen Bezeichnungen, die niemand kennt. Es ist sicher, daß viele Briefe mit den neuen, ganz verwunderlichen Ortsnamen deswegen nicht an die Bestimmung gelangen, weil ja auch die Postbeamten und Briefträger in Deutschsüdtirol durchwegs deutsch sind. Also braucht man sich mit der Uebersetzung nicht abzuplagen, die Italiener müßten sonst auf den Gedanken kommen, daß ihnen die Verwelschung bereits gelungen ist und die Nordtiroler sich damit abgefunden haben."






Symbolbild: Ansichtskarte aus Bozen, ca. 1920 (public domain)



[10.04.2019 Thomas Sinha]

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