"Reisen in das besetzte Tiroler Gebiet"

Der Brenner wird dichtgemacht

Bereits wenige Tage nach der Besetzung des südlichen Tirols, sowie von Innsbruck, Landeck und Hall, wurde die Reisefreiheit innerhalb Tirols durch die italienischen Besatzungstruppen stark eingeschränkt. Die Tageszeitung Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 4. Dezember 1918 schrieb:
"Die italienische Militärkommission in Innsbruck teilt zur Verlautbarung mit: Für die Einreise in das von den königl. italienischen Truppen besetzte Gebiet gelten folgende Bestimmungen: 1. Die Einreise in das Gebiet nördlich von Auer bis zum Brenner ist gänzlich eingestellt. In ganz besonders berücksichtigenswerten Ausnahmsfällen kann die italienische Militärkommission in Innsbruck, Hotel Sonne, um die Erteilung der Erlaubnis ersucht werden. 2. Zivilpersonen italienischer Nationalität, die in das Gebiet südlich von Auer einreisen wollen, haben beim italienischen Flüchtlingskomitee in Innsbruck, Kaffeehaus Philippine Welfer, Templstraße 7, vorzusprechen. Das Komitee wird der italienischen Militärkommission die Erteilung der Erlaubnis vorschlagen, wenn das Reiseziel solcher Personen eine noch gut erhaltene Ortschaft ist. In anderen Fällen wird die Bewilligung vorläufig nicht erteilt. 3. Zivilpersonen deutscher Nationalität, die südlich von Auer wohnhaft sind, haben sich zwecks Ausstellung von Reiselegitimationen an die Flüchtlings-Abfertigungsstelle des Nationalrats (im Verkehrsbureau Innsbruck, Rudolfstraße 6) zu wenden, wo sie aber nur dann Legitimationen erhalten können, wenn sie nach Ortschaften reisen, die nicht zerstört sind. Mit diesen Legitimationen haben sie sich an die italienische Militärkommission, Hotel Sonne, zu wenden, welche die endgültige Bewilligung durch Beisetzung der Stampiglie [Stempelaufdruck] erteilt."

Die Teilung des Landes Tirols begann somit de facto schon wenige Wochen nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti.

 





Symbolbild: italienischer Wachposten am Brenner, 1930er Jahre





[04.12.2018 Thomas Sinha]

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