Die sonderbare Wiederkehr des Giuseppe Menestrina

Heimkehr – aber nicht für alle

Mit dem Ende des Krieges kehrten nicht nur die Soldaten nach Hause, auch Deserteure trauten sich wieder an die Öffentlichkeit. So berichtete Der Tiroler am 29.11.1918:
"Ein Korrespondent des Avvenire d’Italia berichtet seinem Blatte aus Trient folgende Episode: Als der Advokat und Vizebürgermeister von Trient Dr. Josef Menestrina im Mai 1915 zum Kriegsdienste bei der österreichisch-ungarischen Armee einberufen wurde, verschwand er plötzlich, ohne daß irgend jemand wußte, wohin. Nunmehr ist er nach Besetzung der Stadt Trient durch die Italiener wie aus dem Grabe wieder aufgetaucht. Wo war er gewesen? Er hatte sich im Mai 1915, also durch 3 ½ Jahre in dem obersten Nonsberg gegen Ulten zu gelegenen Dorfe Rumo in einem Hause versteckt gehalten. Wenn die Gendarmen ihn zu suchen kamen, verbarg er sich unter dem Fußboden."

Die meisten männlichen Tiroler aber hatten die Kriegszeit nicht so bequem verbracht wie Giuseppe Menestrina. Neben all den Gefallenen und Verwundeten, die Tirol zu beklagen hatte, fristeten etliche ein karges Dasein in Kriegsgefangenschaft. Bezeichnenderweise wurde direkt oberhalb des Artikels über den Deserteur Menestrina eine Meldung mit dem Titel "Korrespondenz mit Gefangenen in Italien" abgedruckt, in dem das Bozner Büro des Roten Kreuzes bekanntgab, wie man mit Kriegsgefangenen in italienischen Lagern korrespondieren könne.

 





Bild: Der Tiroler, 29.11.1918





[29.11.2018 Thomas Sinha]

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