Spanische Grippe

Eine Pandemie wütet in Tirol

Die sogenannte "Spanische Grippe", "Spanische Krankheit" oder "Spanisches Fieber" war eine Pandemie, die 1918 und 1920 weltweit Millionen Opfer forderte. Auch wenn sie vermutlich ihren Ursprung in den USA hatte und von dort mit Truppentransporten nach Frankreich gelangte, konnte in Spanien die Presse erstmals frei darüber berichten, da Spanien als neutrales Land keine Kriegszensur hatte.

Die Tageszeitung Allgemeiner Tiroler Anzeiger schrieb bereits am 18. Juni 1918:
"Die Grippe, die kürzlich durch ihr umfangreiches und heftiges Auftreten in Spanien zur 'spanischen Krankheit' gestempelt wurde, soll nun auch in Innsbruck herrschen und gestern sollen bereits 47 Fälle festgestellt worden sein."

Die Tiroler Todesursachenstatistik wies in der allgemeinen Rubrik "andere Infektionskrankheiten" in den Jahren 1914-1917 zwischen 50-80 Todesfälle aus, für das Jahr 1918 aber 1.464. Durch Lungenentzündung starben 1918 mit 864 Opfern doppelt so viele wie in den vorausgegangenen Jahren. Dies lässt die Schätzung von etwa 1.500 Grippetoten in Tirol allein im Jahr 1918 zu.[1]

Der Tiroler vom 12. Oktober 1918 berichtete:
"Die 'Grippe' macht sich zwar auch in Brixen unsanft bemerkbar, besonders im Anstellen, hat aber, Gott sei Dank, bis jetzt noch, soweit bekannt, keine Todesopfer gefordert. – Das k.k. Gymnasium in Brixen wurde am 10. Oktober für kurze Zeit (bis 28. Oktober) wegen Auftretens der 'Grippe' geschlossen und den auswärtigen Schülern die Heimfahrt bewilligt. – Aus Stilfes wird uns berichtet: Sehr rasch nimmt diese auch bei uns eingeschleppte Krankheit überhand. In vielen Häusern gibt es kranke Leute, oft in einem Hause mehrere zugleich und zwar sowohl Erwachsene wie Kinder. Fast kein Tag vergeht, wo nicht ein neuer Krankheitsfall gemeldet wird. Zum Glück handelt es sich aber durchwegs nur um leichte Fälle. Derzeit ist die 'Sommerschule' in Stilfes geschlossen, da neben vielen Kindern auch die Lehrperson krank ist."

Gleich darunter führte ein weiterer Artikel mit demselben Thema fort:
"Aus Afers wird uns vom 8. Oktober mitgeteilt: Infolge der eintretenden Kälte vor 8 Tagen ist die ‚spanische Krankheit‘ hier mit Gewalt aufgetreten. Fast in jedem Hause sind 2-5 Kranke, es fehlt an Pflegepersonal für die Kranken und für das Vieh – so muß eben doch jemand vom Krankenlager aufstehen; die Folge davon ist, daß die Krankheit solche Leute manchmal gefährlich packt und tödliche Folgeerkrankungen des gefährlichen ‚Tisels‘ [Seuche] auftreten. Heute sind vier Personen gestorben: Benedikt Seb. Tauber, Gostnersohn, 17 Jahre alt, Maria Jocher, Hofertochter, 24 Jahre alt, Kreszenz Gostner, Obermesnerin, 42 Jahre alt, und ein Kind, alle an Lungenentzündung nach Influenza."

Danach wurden noch zwei Todesfälle aus Bozen – ebenso aufgrund Grippe – gemeldet, welche am 11. Oktober vorgefallen waren: die 20jährige Obsthändlertochter Maria Gelf und die 23jährige Näherin Anna Pittertatscher.



[1] Elisabeth Dietrich, Der andere Tod. Seuchen, Volkskrankheiten und Gesundheitswesen im Ersten Weltkrieg, in: Klaus Eisterer/Rolf Steininger (Hrsg.): Tirol und der Erste Weltkrieg, Innsbruck 2011, 263-264.



Bildbeschreibung: "Ein an Grippe erkranktes Kind wird von der städtischen Sanitätsmannschaft ins Krankenhaus geführt" – Bild: Die Neue Zeitung, Wien 23.10.1918



[12.10.2018 Thomas Sinha]

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