Austausch der Türklinken

Der unstillbare Metallhunger des Krieges

Während des Krieges waren Metalle Mangelware, weshalb Schmuck, Haushaltswaren und Kirchenglocken eingesammelt und eingeschmolzen wurden. Sogar die Türklinken sollten noch für Rüstungszwecke eingesammelt werden – nur das Kriegsende verhinderte eine großflächige Umsetzung dieses Vorhabens.

Das Tiroler Volksblatt vom 25. September 1918 berichtete:
"Die kriegswirtschaftliche Kommission des Reichsrats verhandelte am 17. September über den Austausch der Türklinken. Ausgetauscht werden nur die aus Kupfer oder Kupferlegierungen bestehenden Türbeschläge, ausgenommen sind solche von besonderem historischen, künstlerischen oder kunstgewerblichem Werte. Das Türschloß selbst bleibt vollständig unversehrt. Durch letzteren Umstand scheinen vielfach geäußerten Bedenke [sic] beseitigt, ebenso die behauptete Gefährdung der Sicherheit des Eigentums. Als Ersatz waren zunächst eiserne Beschläge in Aussicht genommen, doch hat die inzwischen eingetretene Eisenknappheit diesen Plan geändert. Infolgedessen wurden von Fachmännern konstruierte und von behördlich begutachtete Holzbeschläge und Türklinken hergestellt; übrigens steht es jedem frei, sich andere Ersatzbeschläge zu beschaffen. Der Austausch soll schon in nächster Zeit einsetzen, und zwar in der Weise, daß zunächst staatliche Gebäude, dann die Landeshauptstädte und Provinzstädte und schließlich alle anderen Orte herangezogen werden. Monatlich werden 200.000 bis 300.000 Klinkenpaare zum Austausch gelangen. Oesterreich dürfte auf diese Weise acht Millionen Klinkenpaare abliefern, die rund 500 Waggons Messing und 250 Waggons Kupferdraht ergeben werden. Die Zahl der auszutauschenden Klinkenpaare beträgt in Ungarn etwa 4 Millionen."



Symbolbild: Türklinke – Bild: Hungarian University of Fine Arts, Budapest; CC BY-NC-ND 3.0

 



[25.09.2018 Thomas Sinha]

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