Luftkampf im Etschtal

"Er hat ihn, er hat ihn!"

Im Laufe des Krieges wurden in Frontnähe immer wieder feindliche Flieger gesichtet. Gerade im Etschtal, vor allem im Großgebiet Trient – Rovereto konnte die Zivilbevölkerung des Öfteren gegnerische Flugzeuge am Himmel entdecken. Zum Beispiel war am 14. Juli 1918 über Trient ein Feindflieger von Abwehrgeschützen abgeschossen worden [hier klicken]. Die Bevölkerung verfolgte solche Vorfälle stets mit großer Aufmerksamkeit – Flugzeuge waren etwas ganz Neues und Exotisches. Zudem konnte man als Zivilist den Feind mit eigenen Augen sehen, ein vermeintliches "Privileg", das ansonsten meist nur den Soldaten zuteilwurde, sofern feindliche Heere nicht in die eigene Heimat einmarschierten.

So berichtete Der Tiroler am 8. August 1918: "Ein interessantes Schauspiel bot sich [am] 5. August, um 9 Uhr vormittags den Bewohnern von Matarello [sic]. Feindliche Flieger wurden gemeldet. Abwehrgeschütze traten in Tätigkeit, unsere Flieger stiegen auf und bald konnte man den Fliegerkampf beobachten. Nicht lange und der Jubelruf auf [sic] den Zuschauern: ‚Er hat ihn, er hat ihn!‘ war zu hören. Der getroffene feindliche Flieger suchte augenscheinlich im Gleitfluge in die Etsch abzufliegen, vermochte aber das Flugzeug nicht mehr zu beherrschen, kam darüber hinaus auf das rechte Etschufer, sprang ab, im nächsten Augenblicke schlugen Flammen empor, das Flugzeug kippte über und stürzte senkrecht zur Erde nieder. Der Sieger umkreiste die Absturzstelle, verneigte sich, dem überwundenen Gegner die Achtung bezeugend, und kehrte nach dem Fliegerplatze zurück. Um 9 Uhr 15 Minuten war dann alles vorüber."



(Symbolbild: reichsdeutsche Fliegerabteilung 233 - CC0 1.0)



[08.08.2018 Thomas Sinha]

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