Matura im Krieg

"Schulschluss am k.k. Reform-Realgymnasium in Bozen" tituliert die Bozner Zeitung "Der Tiroler" vom 3. Juli 1918 das Ende des Schuljahres samt Zeugnisverteilung. Die harte Realität des Krieges...

"Schulschluss am k.k. Reform-Realgymnasium in Bozen" tituliert die Bozner Zeitung Der Tiroler vom 3. Juli 1918 das Ende des Schuljahres samt Zeugnisverteilung. Die harte Realität des Krieges lässt sich an den Schülerzahlen in den verschiedenen Klassen ablesen: "[...] in der ersten Klasse 33, in der zweiten 27, in der dritten 25, in der vierten 31, in der fünften 22, in der sechsten 14, in der siebenten 17 und in der achten 3 Schüler [...]"

Von den – lediglich – drei Schülern der obersten Klasse waren bereits zwei zum Wehrdienst eingerückt und hatten "am 2. März die vorzeitige Reifeprüfung abgelegt", so dass "der einzige noch verbliebene Schüler der achten Klasse [...] am 24. Juni mit Erfolg die mündliche Reifeprüfung" bestand.

Auch noch wenige Monate vor Kriegsende fielen viele Kriegsmaturanten an den verschiedenen Fronten. Der Tiroler vom 19. September 1918 berichtet über den tragischen Tod des Brixners Johann Oberhofer, Fähnrich im 2. Kaiserjägerregiment, der an der italienischen Front gefallen war, "nachdem er im verflossenen Schuljahre am Brixener Gymnasium die Kriegsmatura ablegte."

Bereits 1915 hatte der Dichter Otto Pflanzl Salzburger Kriegsmaturanten folgende Zeilen gewidmet:

Kriegs-Matura! Nur zwei Worte
Doch sie schließen so viel ein,
Daß man, um dies zu erfassen;
Selbst Abiturient muß sein!

War doch die Matura immer
Für den Anwart sorgenvoll,
Für viel Jahre langes Mühen
Bildet sie den Abschluß-Zoll!

Jetzt nun gleicht sie für die Jugend
Die dem Wissen sich geweiht,
Einer ernsten Lebensbrücke
Für die schwerste Prüfungszeit.

[...]
(Quelle Gedicht: Salzburger Volksblatt, 16.2.1915)

(Symbolbild oben links: Militärabiturienten in Wien 1917 - Quelle: Das interessante Blatt, 15.11.1917)



[04.07.2018 Thomas Sinha]

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